Meine Therapeutin

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Wie sind in der Vorbereitungsphase, die Krankenkasse hat erstmal einige Stunden bewilligt. Wir sind noch gar nicht richtig ran an die Bouletten. Aber sie hat so eine Art. Sie „fasst“ mich an wie eine Osteopatin;: Sie tut etwas, sanft, aber hinterher: Hoppla! Jedesmal gehe ich da raus, und nach einigen Minuten geht es mir entweder gut – oder sehr schlecht.

Da wird einiges passieren. Anlässlich der letzten Sitzung haben wir festgelegt, was sie im „Notfal“ machen muss: Ich lege mich auf die Couch, Sie ruft einen Taxi, zu Hause lege ich mich ins Bett und gut is.

Vielleicht noch mit Rotwein.

Hoffe, es kommt nicht soweit.

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Das Todeshaus von nebenan

Todeshaus

 

Am Ende meiner Wohnstrasse befindet sich ein Alters- und Pflegeheim. Dort treffen täglich Ambulanzen ein, laden aus- und wieder ein.

Eingeladen werden oft Tote. Auf einer Bahre. Mit einem Tuch über den Kopf gezogen.

Ja, der Lebenszyklus, die Vergänglichkeit unserer Existenzen. Seit einiger Zeit beschäftigt mich das wieder. Daher auch der häufige Gang zum Friedhof.

Dort besuche ich Marlene. Wie führen oft Zwiegespräche.

2017: Drei von fünf Zielen erreicht

Jahresziele

 

Ziel eins: Soziale Kontakte herstellen: Erfüllt.

Ziel zwei: Gesundheitliche Stabilität ausbauen: Teilweise erfüllt

Ziel drei: Gemeinnütziger Organisation beitreten: Erfüllt

Ziel vier: Nachhaltig Körpergewicht abbauen: Nicht erfüllt.

Ziel fünf: Sportliche Tätigkeit anfangen: Erfüllt

 

2018:

Ziel eins: Gesundheitliche Stabilität weiter festigen, keine Suizidalität.

Ziel zwei: Regelmässig Sport treiben

Ziel drei: Nachhaltig Körpergewicht abbauen

Ziel vier: Weitere soziale Kontakte herstellen

Ziel fünf: Vermeidungsstrategien und Antriebslosigkeit abbauen

Ziel sechs: Häufiger Fotografieren.

Ziel sieben: In der Therapie die heissen Eisen angehen. Vorsichtig.

 

Also, insgesamt kann man sagen: ich bin zufrieden.

Von „sich aushalten“ zu „sich schätzen“ oder: Die Zeit mit sich selbst

 

moegen

Mein Leben bringt es mit sich, dass ich oft alleine bin. Mittwoch Abend bis Samstag Nachmittag ist mein Sohn bei mir. Die Zeit dazwischen benötige ich zur Erholung dieser intensiven, aber meist schönen Tage.

Über einen längeren Zeitraum habe ich diese Leerzeiten nicht gemocht. Oft unzufrieden mit mir selbst, mit meinem Leben, meinem vermeintlichen Versagen und der grossen Müdigkeit fühlte ich mich nicht gut.

Langsam hat sich das geändert. Die schwierigen Momente sind natürlich noch immer da; jedoch habe ich gelernt, die „Zeit mit mir“ zu mögen. Ich gehe mindestens einmal täglich an die frische Luft, und hin und wieder treffe ich auch jemanden. Und die ehrebamtliche Tätigkeit, die ich gerne noch ausbauen möchte, tut mir sehr, sehr gut. Sie gibt mir Inhalt und Befriedigung.

Seit einiger Zeit ist meine Stimmung während der Alleinzeiten „aufgeräumt“. Das tut gut.

Ehrenamt. Endlich.

ehrenamt

Was war das für ein anstrengender Schritt. Mit welchen immensen Ängsten hatte ich zu kämpfen. Ich habe eine ehrenamtliche Tätigkeit gefunden, dies bei der „Obdachlosenhilfe Berlin e.V.“ Dieser Verein verteilt mehrfach unter der Woche an verschiedenen Orten Kleider, Toilettenartikel und vor allem: Lebensmittel. Im Vorfeld wird gekocht, das abwechslungsreiche Essen wird warm ausgegeben.

Und: Man kann einfach vorbeigehen. Man muss sich nicht anmelden. Und das mag ich gar nicht. „Einfach hingehen“… Ich hasse das. Was denken die Leute, wenn sie mich sehen? Wie nehmen sie meine Art auf, mein Handeln. Kann ich das überhaupt, Essen ausgeben? Oder Kleider: Woran soll ich die Grösse erkennen? Und mögen sie mich überhaupt?

Die Versagengsängste waren gewaltig. Mich zeigen einer Gruppe von Menschen, die sich schon bestens kennen… Und über mich reden vielleicht…

Beim ersten Termin konnte ich den Treffpunkt nicht finden. Er befand sich, so erfuhr ich hinterher, in einer Kirche…. Die einzige Kirche weit und breit. Ja, ich stand davor, sie war erleuchtet und die Tür war offen… Ich traute mich nicht hinein und ging wieder nach Hause, ich war erleichtert dass ich den Verein nicht gefunden hatte…. Nochmals eine Galgenfrist.

Am kommenden Abend gab es dann keine Gnade: Ich fand die Helfer sofort. Also drehte ich ab, rauchte noch eine Zigarette, sortierte meine Ängste und ging „einfach“ auf sie zu. Und Hoppla: Ich wurde herzlich empfangen, war sofort Teil des Teams. Und es hatte noch drei weitere Neulinge. Alles sehr freundliche, hilfsbereite Menschen, die mich so nahmen wie ich ihnen erschien.

Es war ein schöner Abend, und ein Hochgefühl hinterher.

Gestern war ich wieder dort. Es kam zu interessanten Gesprächen, zufriedenen Gästen und gegenseitiger Sympathie.

Es kann so einfach sein.

Nun, ich akzeptiere meine Ängste. Beim nächsten Mal, wenn ich etwas Neues und Unbekanntes machen werde, werden sie wieder auftauchen. Und ich werde wieder meine Runden drehen. Und am Ende wird alles gut. 🙂

Vergangenheit und Zukunft oder: Das Leben mit Ereignissen anreichern.

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In letzter Zeit werde ich öfters wieder mit Gedanken über mein zurückliegendes Berufsleben überrascht. Und sie sind meist negativ, unfreundlich, kritisch. Das Problem ist altbekannt…. Ich werde nun versuchen, damit mehr mit Gleichgültigkeit und Gedankenkontrolle um zu gehen. Und: Mein aktuelles Leben mit schönen Ereignissen befüllen, damit die Erinnerungen an früher, sei es meine Arbeit oder die Mutter, an Relevanz verlieren. Mal sehen, ob es funktioniert…