Überlegungen zum Tod

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Wer mich kennt weiss, dass ich eine „gewisse“ Affinität zum Tod, oder genauer, zu Friedhöfen habe. Gerade in Berlin ist die Auswahl an entsprechenden Anlagen riesig. Gerade bei mir um die Ecke liegt zum Beispiel Marlene Dietrich.

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Bekannterweise habe ich seit 2012 den Tod ab und zu angelacht, fast willkommen geheissen. Glücklicherweise habe ich mich dann jeweils rechtzeitig abgewandt.

Was mich allerdings in letzter Zeit beschäftigt ist die Tatsache, dass ich mit50ig Jahren wohl 2/3 meines Lebens hinter mir habe. Das verändert die Perspektive irgendwie, und man wandert anders als früher an den Gräbern vorbei. Zahlreiche Verstorbene sind jünger gestorben als ich es heute bin.

Vor ein paar Tagen hatte ich die Idee, vielleicht italienisch lernen zu wollen. Sofort kam folgender Einspruch meines inneren Zweiflers auf: „Was soll das denn jetzt? Das bringt doch eh nichts mehr, dafür bist Du zu alt.“

Tja, na so stimmt das natürlich nicht. Ich habe mit mir den Kompromiss geschlossen, dass ich anstelle wieder anfangen werde, Saxophon zu üben – und vielleicht Stunden zu nehmen. Und endlich in meinem neuen Zuhause aktiver zu werden, d.h., nach Aussen zu treten.

Dennoch überlege ich mir heutzutage eher, was ich „noch“ unternehmen will in meinem restlichen Leben.

Das ist ja nicht per se schlecht.

Machmal richtig gut….

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… mach ich die Dinge 🙂

Die Tage in Rügen zu verbringen tut mir sehr gut. Ich halte Tagesstrukturen ein, sehe mir interessante Dinge an, lese viel… Und schreibe am Blog.

Heute verbringe ich mit Absicht einen ruhigen Tag. Nach diesem Blogeintrag werde ich am Meer spazieren gehen. Danach lege ich mich und freue mich auf ein schönes Abendessen.

Andererseits, und das gefällt mir besonders, spüre ich, dass die drei Tage hier reichen. Ich brauche nicht mehr als diese Zeit. Vor allem heute, wo es vor allem um Erholung geht, kribbelt es in mir nach Aktivität….

Das finde ich richtig gut: Ich könnte niemals Wochen an einem Ort verbringen, wo ich die Zeit bloss mit Spazieren und Lesen verbringen würde….

Ich habe mir meinen Drang nach Entdecken und Wissen generieren erhalten. Das freut mich sehr.

Loslegen, Überfahrt, Ankunft und Neuaufbau: Nochmals übers letzte Jahr….

… das schon recht intensiv war. Am Amfang stand die Aussicht, das Haus verkaufen und räumen zu müssen, den Umzug zu organisieren und durchführen, die Wohnung suchen, etc.

Also stand eine Zeit einiger Unsicherheiten vor mir. Es kam mir vor wie ein Riesenberg, eine Steilwand, die kaum zu bewältigen wäre. Ich hatte mich gut eingelebt im Haus. Nun sollte ich aus der Provinz in die Grossstadt ziehen, ins Ausland. Ein Lebenskonzept aufgeben und ein neues erntwickeln.

Es war ja nicht das erste Mal. Der Unterschied waren die schwierigen Rahmenbedingungen, vor allem geprägt durch die depressiven Episoden. Ich hatte Angst.

Aber eben: Schritt für Schritt. Das wurde mir immer wieder gesagt. Und was ist passiert: Es hat funktioniert!

Es hat funktioniert trotz schwerer und einsamer Momente (meine Familie war ja schon einige Zeit davor nach Berlin umgezogen). Alleine im Haus zu Leben, einem Haus, dessen Einrichtung aus einer unbeschwerten Zeit stammt, eine Zeit, als ich noch gesund und wir alle gemeinsam mindestens 10 Jahre leben wollten… das war schwierig.

Wir hatten aber auch immer gesagt: Das Projekt „eigenes Haus, Kind, Katze und Auto…“ ist ein Versuch. Und nicht nur wegen der Erkrankung, aber auch die Erkenntnis, dass diese Art zu Leben dann doch nicht „Unseres“ war, hat sich herauskristallisiert.

Es hat funktioniert, weil mir geholfen wurde und weil ich die Kraft aufgebracht habe, mich schlussendlich positiv auf das Einzustellen, was da kommen würde.

Rückblickend war es die beste Enscheidung, die wir haben fällen können. Ein Wehmutstropfen bleibt: Wir haben die geografische Distanz zu engen Freunden naturgemäss massiv erhöht. Das ist schade. Andere sind dafür näher gerückt. Das ist auch schön. Und Freundschaften können auch über grössere Distanzen gepflegt werden – ja, da fühle ich mich vor allem aufgefordert, weil ich mich manchmal zu wenig bemühe.

Also:

Wie hat man mir gesagt (und das habe ich mir immer wieder neu klar gemacht):

„Es ist nicht das Dümmste, aus einer ländlichen Region nach Berlin zu ziehen“

„Da’sch scho so“

Gute Gesundheit für einen tollen Freund

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Ein mir sehr lieber Freund hat am kommenden Mittwoch eine wichtige Operation zu absolvieren.

Er ist ein sehr einfühlsamer, hilfsbereiter und total liebenswürdiger Freund, der leider nicht mit mir in Berlin lebt. Wäre er nicht, würde es mir heute sehr viel schlechter gehen.

Liebe Leser, Ihr seid alle herzlich eingeladen, am Mittwoch diesem fantastischen Menschen die Draumen zu drücken!

Herzlichen Dank!

Ich wünsche Dir, mein Lieber, alles Gute und eine erfolgreiche OP. Auf dass alles gut verläuft – Ich denke an Dich und an Deine Angehörigen!

Ich umarme Dich!

Rügen

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Ich habe mich entschlossen, ein paar ruhige Tage im winterlichen Rügen zu verbringen. Ich lese viel, habe ein schönes Hotel und bin unterwegs. Hier scheint meist die Sonne, das Meer ist wunderschön und es gibt auch Sehenswürdigkeiten. Heute war ich beim ehemaligen KdF (Kraft-durch-Freude) Bad. Dort zeigt sich der ganze Irrsinn der Nazi-Projekte. Der gesamten Gleichschaltung, bis zum kontrollieren Urlaub der Menschen. Eindrücklich und befremdend.

Ich erhole mich offenbar gut hier. Auch wenn ich rechtzeitig aufstehe und oft draussen bin – also aktiv bin. Abends bin ich dann sehr müde, aber zufrieden.

 

Manchmal etwas einsam, aber ich kann es managen. Es ist ja nicht das erste Mal, dass ich alleine wegfahre.

Montags gehts wieder retour.

Wetterbericht

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In Berlin ist es kalt, eher grau momentan (aber es ist seltener neblig als in der Norschweiz). Manchmal windet es, was ich im Sommer wie im Winter mag.

Und es wird immer noch ziemlich früh dunkel. Das schlägt manchmal aufs Gemüt.

Die Stadt ist manchmal anstrengend und zuweilen passieren ärgeliche Dinge. Gerade kürzlich wurde ich von einer Werkstatt für mein Auto übers Ohr gehauen. Dann hat ÖV hier oft Probleme, vor allem die S-Bahn. Die Freundlichkeit wechselt sich mit der sprichwörtlichen Berliner Schnauze ab.

Dennoch: Die Stadt tut mir gut. Die Grünflächen, die Stimmung. Das ruhige Viertel, welches ich bewohne. Wenn ich hier aus der S-Bahn steige, fühle ich mich sofort sehr wohl. Das ist schön und hatte ich schon lange nicht mehr.

Durch unterschiedlichen Erfahrungen, die mich machen, schlagen manchmal auf meine Gemütsfassung durch: Im Allgemeinen bin ich stabiler, die Ausschläge, gerade nach unten, sind aber intensiver.

Aber es geht insgesamt aufwärts, langsam scheine ich wieder die Energie zu haben, (endlich) eigene Projekte an zu gehen: Fotografie, eine Therapeutin finden, mich einer Psychogruppe an zu schliessen. Letzteres ist – wie schon früher – mit Ängsten besetzt: Mögen mich die Leute? Werde ich akzeptiert? Ist es das Richtige für mich? Ausser man tut es…

Aber ich stehe kurz davor, diese Dinge an zu gehen, und ich bin insgesamt zuversichtlich. Mein Alltag ist geprägt davon, dass ich täglich mindestens einmal nach draussen gehe. Ein paar Tage die Woche betreue ich unseren Sohn, was mich noch immer ernorm anstrengt, aber es ist auch jedes mal wunderschön.

Sozial muss ich mehr tun – siehe oben. Aber ich habe eine liebe Freundin gewonnen, die mich auch entlastet und demnächst nach Berlin zieht. Sie ist auch eine Betroffene und steht vor einem grossen Umbruch, so wie ich im letzten Jahr. So können wir uns gegenseitig helfen.

Manchmal fühle ich ich alleine in meinem Leben. Aber immerhin komme ich damit immer besser klar, und durch Besuche und die Betreuung meines Sohnes geht es nicht schlecht.

Alles wird gut.

Launenhafte Treppe

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Jeden Tag gehe ich mindestens 1x täglich die Treppe hoch zu meiner Dachwohnung: 4 Etagen sind es.

Es ist nicht eine Frage der Kondition, sondern der mentalen Befinlichkeit: Wenn ich oben ankommen, allenfalls unterwegs, keuchend, Pause machen musste und es mir am Ende fast übel wird, dann geht es nicht gut. Dann kommt die Depression wieder hoch, in all‘ seiner Pracht.

Wenn ich mich vorab konzentriere, ich mich auf meine Wohnung freue und unterwegs mit den Gedanken abstreife, komme ich zufrieden an, ohne mich angestrengt zu haben.

Das Ganze ist verlgleichbar mit dem Weg, den ich jeweils zum Haus hochgehen musste, da war es genau so.

Es ist und bleibt: Ich lerne, mit der Depression um zu gehen. Sie ist ständig im Hintergrund präsent. Sie drängelt in den Vorgerdrung, manchmal ohne gegebenen Anlass.

Sie ist wie eine Wetterstation.

Momentan herrscht schönes Wetter mit ein paar kleinen Schleierwolken…. 🙂